Schlafprobleme

Schlaflosigkeit: Wenn der Geist nachts nicht zur Ruhe kommt

Viele Menschen kommen müde ins Bett – und liegen dennoch wach. Nicht, weil sie etwas falsch machen, sondern weil ihr Geist nicht gelernt hat, rechtzeitig loszulassen.
Gedanken springen von Thema zu Thema, der sogenannte „Monkey Mind“ meldet sich. Das fühlt sich anstrengend an – ist aber menschlich

Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist das Gehirn kein Ausschaltknopf. Es prüft offene Fragen und mögliche Risiken, besonders nachts, wenn äußere Reize fehlen. Der Fehler entsteht oft, wenn wir versuchen, die Gedanken zu stoppen oder den Schlaf erzwingen – das erzeugt Druck und hält uns wach.

Achtsamkeit statt Kampf
In der Achtsamkeitspraxis geht es nicht darum, den Geist zu beruhigen, sondern die Beziehung zu ihm zu verändern.
• Gedanken dürfen da sein, ohne dass wir ihnen folgen müssen.
• Das stille Wahrnehmen von „Ok, da ist gerade Denken“ schafft Abstand.
• Schlaf ist kein Willensakt – er ist ein Nebenprodukt von Sicherheit.
Ein Nervensystem, das glaubt, reagieren oder leisten zu müssen, bleibt wach.

Abendroutinen: Ruhe für Körper und Geist
Ruhige, wiederkehrende Rituale vor dem Schlafengehen signalisieren dem Körper: Der Tag ist vorbei.
Weniger Reize, besonders digitale Inhalte, helfen dem Körper zu erkennen, dass er abschalten darf.
Ein einfacher Anker: der Atem. Ein verlängertes Ausatmen beruhigt das Nervensystem – ohne Leistungsdruck.

3 einfache Abendroutinen für besseren Schlaf

1. Vom Tun ins Sein (5–7 Minuten)
• Lege dich auf den Rücken oder setze dich bequem.
• Richte die Aufmerksamkeit auf das Ausatmen – etwas länger als das Einatmen.
• Spüre Körperbereiche wie Schultern, Bauch, Kiefer.
• Gedanken? Nimm sie freundlich wahr, kehre sanft zum Atem zurück.

2. Gedankenkreisen sanft unterbrechen (5 Minuten)
• Nimm wahr, was gerade im Kopf los ist (Pläne, Sorgen, Erinnerungen).
• Benenne innerlich: „Ok, Denken ist präsent.“
• Lege diese Gedanken symbolisch in eine „Schale“.
• Richte die Aufmerksamkeit auf Körperempfindungen – Gewicht, Wärme, Berührungspunkte.

3. Sanfter Übergang ins Bett (3–5 Minuten)
• Setze dich auf die Bettkante oder lege dich hin.
• Spüre den Körperkontakt zur Unterlage.
• Atme ruhig ein, länger aus.
• Sag dir: „Ich muss jetzt nichts mehr tun.“
• Schlaf darf kommen – oder Wachheit sein. Beides ist in Ordnung.

Tipp aus der Praxis: Routinen wirken nicht durch Perfektion, sondern durch Regelmäßigkeit. Weniger ist oft mehr.

Schlaf beginnt am Morgen
Ein achtsamer Tagesstart unterstützt die Nacht:
• einige bewusste Atemzüge
• frische Luft
• Tageslicht
Diese einfachen Maßnahmen stabilisieren den natürlichen Rhythmus und erleichtern das abendliche Loslassen.

Fazit
Schlaflosigkeit ist kein Zeichen von Schwäche.
Es ist ein Signal, dass dein Geist noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Achtsamkeit, kleine Abendroutinen und ein bewusster Umgang mit Gedanken schaffen Raum für Schlaf – ohne Zwang, ohne Leistungsdruck.

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